Erfolgreiches Gesundheitsmanagement stabilisiert Krankentage - Fachtagung in Haltern

Haltern am See/Bistum (pbm). „Gesund im Betrieb. Betriebliches Gesundheitsmanagement aktiv gestalten“ – unter dieser Überschrift stand die 15. gemeinsame Fachtagung kirchlicher Mitarbeitervertreter und Dienstgeber am 2. Oktober. Mit mehr als 130 Teilnehmern aus dem ganzen Bistum Münster war das Treffen im Könzgen-Haus in Haltern am See ausgebucht.
Hauptreferentin war Andrea Lange, Geschäftsführerin des Bochumer Berufsforschungs- und Beratungsinstituts für interdisziplinäre Technikgestaltung e.V. (BIT). Sie führte aus, Grundlagen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements seien Arbeits- und Gesundheitsschutz, Maschinen- und Anlagensicherheit, sowie Gefährdungs- und Belastungsbeurteilung. Drei wesentliche Säulen seien ferner das Betriebliche Eingliederungsmanagement, die Betriebliche Gesundheitsförderung und Freiwillige Zusatzleistungen.
Im Betrieblichen Gesundheitsmanagement insgesamt gehe darum, früh vor Erkrankungen und Schädigungen zu intervenieren, lange bevor es zu Beeinträchtigungen von Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Gesundheit komme. Schon das Arbeitsschutzgesetz fordere Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz, deren Wirksamkeit überprüft und bei Veränderungen angepasst werden müsse. Die Arbeit müsse mit Blick auf den jeweiligen Menschen mit seinen aktuellen Fähigkeiten zugeschnitten werden. Dienstgeber, Mitarbeitervertretung, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte müssten eng zusammenarbeiten.
Als bestimmende Rahmenbedingung führte Lange an, dass in vielen kirchlichen Einrichtungen die Personaldecke dünn sei. Die wenigen Mitarbeitenden stießen auf Arbeitsverdichtung und wachsende Leistungsanforderungen. Die Belegschaften seien häufig älter, der Krankenstand sei hoch, die Rekrutierung neuer Mitarbeiter schwierig. Vor diesen Hintergründen sei es eine große Herausforderung für Einrichtungen, die eigenen Funktionen und Dienstleistungen konkurrenzfähig zu erbringen. Ein Ausweg aus solchen Belastungslagen sei beispielsweise die Förderung eines guten Zusammenhalts und eines überdurchschnittlichen Gemeinschaftsgefühls, schlug Lange vor. So etwas sei sogar „im wesentlichen kostenlos“.
Insgesamt müsse es auch darum gehen, Arbeitsanforderungen und Aufgabenzuweisungen auch an die sich verändernden Leistungsfähigkeiten Älterer anzupassen. „Ältere sind nicht weniger leistungsfähig, sondern anders“, betonte Lange. Ältere könnten zwar weniger zupacken, sehen und hören, sie wären langsamer bei Bewegungen oder bei der Informationsverarbeitung, seien aber oft erfahrener, geübter, gelassener, loyaler und zuverlässiger. Zudem stelle sich die Frage, wie die Arbeitsfähigkeit auch der jüngeren Mitarbeiter besser erhalten werden könne. Die Analyse der körperlichen und psychischen Belastungen, die Krankheitstage verursachen und die Auswertung der Krankentageursachen im Altersverlauf gäben wichtige Hinweise dafür, wo Betriebliches Gesundheitsmanagement ansetzen müsse.
Angesichts der heute gegebenen Rahmenbedingungen sei es bereits ein großer Erfolg, wenn es gelänge, durch Gesundheitsmanagement zu bewirken, dass die Krankentage nicht anstiegen. Betriebliche Gesundheitsförderung sei aber auch ein Weg, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Betriebliche Gesundheitsförderung müsse bei gelebten Überzeugungen, wertschätzender Führung und Förderung sozialer Beziehungen ansetzen, das Selbstvertrauen, die Motivation und die Befindlichkeit der Mitarbeitenden stärken sowie Gebäude, Technik und Ausstattung belastungsvermeidend optimieren. So verstanden und gelebt könne Betriebliche Gesundheitsförderung zum Unternehmenserfolg beitragen, sie könne die physische und psychische Gesundheit stärken, was sich positiv bei Fehlzeiten, Fluktuation, Motivation, Qualität und Produktivität auswirken könne.
Andreas Volmer vom Prosper-Hospital in Recklinghausen schilderte, wie dort Mitarbeiterführung, Gesundheitsförderung und Spiritualität zusammen gebracht worden seien. Gesundheitsförderung in Form von Walking-Treffs oder Krafttraining stütze dort die Teambildung, gleichen Zielen dienten gemeinsame Fahrten, etwa nach Rom. Das Prosper-Hospital biete den Mitarbeitern auch kostenlose Kurzmassagen während der Arbeitszeit an. Die Mitarbeitervertretung habe durch Dienstvereinbarungen beispielsweise die Überstunden begrenzt. In der Praxis zeige sich im Prosper-Hospital, dass die betriebliche Gesundheitsförderung die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter steigere.
Markus Grotthoff vom Stift Tilbeck berichtete, dort habe man 2017 mit einem Gesundheitsmanagement begonnen. Das Bewusstsein für Gesundheitsförderung sei auf allen Ebenen gestärkt worden. Ziel sei es, die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern, etwa durch Ernährungsberatung, Suchtprävention oder Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit. Dazu werde mit Krankenkassen, dem Kreissportbund oder der Berufsgenossenschaft kooperiert.
Über Beteiligungsrechte und Mitwirkungspflichten der Mitarbeitervertretung (MAV) sprach Ulrich Richartz, Geschäftsführer der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Bistum Münster (DiAG). Arbeits- und Gesundheitsschutz sei eine Pflichtaufgabe für MAVen im Rahmen ihres Wächteramtes. Die MAV könne sich darstellen lassen, was der Dienstgeber in dem Feld bereits tue. Sie könne Auskunft verlangen über Schwerbehinderte, Langzeiterkrankte oder Mitarbeiter, die am betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement teilnehmen. Die MAV könne auf Missstände hinweisen und Anträge zur Abhilfe oder auf zu initiierende Maßnahmen stellen. Bei vielen Maßnahmen der Unfallverhütung und des Gesundheitsschutzes sei der Dienstgeber auf die Zustimmung der MAV angewiesen.
Nachmittags befassten sich die Teilnehmer in Vertiefungsgruppen mit Altersstrukturanalysen, Gefährdungsbeurteilungen, psychischen Belastungen oder mit Dienstvereinbarungen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement. Abschließend präsentierte Andrea Lange vom Könzgen-Haus eine hauseigene Fortbildungsreihe für Betriebliches Gesundheitsmanagement, die Mitarbeiter- und Dienstgebervertretern in fünf dreitägigen Modulen umfassende Kenntnisse vermitteln will.

Text und Fotos: Martin Wißmann, Bischöfliche Pressestelle

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