Gottes Lohn ist nicht genug! ?

Gottes Lohn ist nicht genug! Ein Film aus der WDR-Reihe „Mut gegen Macht“


Eine Rezension


Seit Tagen kann der Film „Gottes Lohn ist nicht genug“ aus der Reihe „Mut gegen Macht“ , der am 27.10.2014 um 20:15 Uhr im WDR ausgestrahlt wird, im Internet auf wdr.de in voller Länge angeschaut werden.
Der Film erzählt von einem zweijährigen Kampf der Mitarbeiter der Reha-Klinik „Schwertbad“ in Aachen um bessere Löhne und einen eigenen Tarifvertrag. Erwähnt wird zudem, dass die Klinik ein katholischer/kirchlicher Träger sei und unter der Holding der Marienhaus-Gruppe verwaltet wird.  
Ich habe mir den Film angeschaut, Notizen gemacht und absichtlich nicht im Internet weiter recherchiert. Ich verfüge auch nicht über Hintergrundinformationen aus kirchlichen oder katholischen Bezügen zu diesem Fall. Ich möchte die Situation nur mit den im Film erwähnten Informationen bewerten. Viele Informationen gab es allerdings nicht.
Daher stellen sich mir verschiedene Fragen, die der Film von Wolfgang Minder leider nicht beantwortet.
Ist die Klinik „Schwertbad“ wirklich eine kirchliche Einrichtung?  Es gibt dort einen Betriebsrat. Das passt schon mal nicht. Ist mindestens erklärungsbedürftig. Es ist auch die Rede von einem „Haustarifvertrag“. Auch das kann es in einem katholischen (in dem Falle caritativen) Betrieb so nicht geben. Hier würde die AVR-Caritas gelten müssen. Und zwar zu 100 Prozent. Selbst dann, wenn die Einrichtung aus privater Trägerschaft übernommen wurde, was dem Film nur andeutungsweise zu entnehmen ist.  Hier bestünden auch juristisch einklagbare Ansprüche eines jeden einzelnen Mitarbeiters. Denn im caritativen Bereich gibt es nur schwarz oder weiß. Entweder kirchlicher Betrieb mit AVR-Caritas und einer Mitarbeitervertretung (statt Betriebsrat) oder nicht-kirchliche Einrichtung mit eigenem (Haus-)Tarifvertrag und Betriebsrat. Und war der Betriebsrat bei den ausgesprochenen Kündigungen überhaupt wirksam beteiligt? Wie gesagt: mir liegen nur die Informationen aus dem Film vor.
Warum hat die Marienhaus-Gruppe die beiden angeblich schon vorher maroden Einrichtungen (Aussage von Schwester Basina)  überhaupt übernommen, wenn es keine Chance zur Rettung gab? Aus purer Menschlichkeit, wie behauptet wird? Mit Verlaub, das nehme ich Schwester Basina nicht ab. Wahrscheinlich ging es, wie so oft bei den großen Kirchenkonzernen um Marktmacht und die Besetzung von regionalen Märkten. Und hier hat sich die Marienhaus-Gruppe wohl gründlich verspekuliert. Interessant auch das Statement von Schwester Basina zu ihrem Verhältnis zu Gewerkschaften und zu den nachgefragten kirchlichen Werten: „Irgendwann reicht mir das auch.“. Und merkwürdig auch die fehlende Transparenz der Unternehmensführung nach einem Gespräch im Aachener Rathaus über die (vielleicht) erzielten Ergebnisse. Zu den vor dem Rathaus versammelten Mitarbeitern kein Wort. Ein freundliches Händeschütteln und die Aussage, dass das, was man „drinnen“ gehört hätte jetzt alles überdenken würde… . Mehr nicht.
Weitere klare Management- und Führungsfehler sind im Film einige auszumachen. Zum Beispiel als es um den Ausspruch der Kündigungen ging. Da wurden die Mitarbeiter vom Patienten weggeholt, zum Geschäftsführer gebeten, die Kündigung übergeben und dann wieder zum Patienten geschickt. Hier zeigt sich, leider wie so oft, die deutliche Führungsschwäche in kirchlichen Einrichtungen. Hier ist die Unternehmensführung dann keinen Deut anders (oder besser) als in einem weltlichen Betrieb. Da hätte der Film die unbeantworteten Fragen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stellvertretend stellen müssen. Das hat er nicht getan.
Die Rolle des Bistums Aachen bleibt nebulös. Eine Einladung zu einer Pilgerfahrt für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kann dem Anliegen, die Einrichtung zu erhalten, eine Plattform bieten. Über die sonstigen Einwirkungsmöglichkeiten des Bistums, (die gibt es durchaus) wird nichts gesagt.
Beeindruckend bleiben an diesem Film das riesengroße Engagement der Mitarbeiterinnen im Betriebsrat und die große Leidensfähigkeit, mit der die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Einrichtung diese Situation ertragen haben. Eine Szene hat mich dann doch bewegt. Als der Betriebsrat den Entwurf des Tarifvertrages endlich in den Händen hielt und die Mitglieder alleine in einer Privatwohnung den Tarifvertrag Satz für Satz prüfen mussten. Da stellt sich schon die Frage, wo war da die Gewerkschaft und wo waren da die Sachverständigen, die der Betriebsrat mit Rechtsanspruch hinzuziehen könnte? Auf Kosten des Arbeitgebers wohlgemerkt.
Fazit: Wenn der Film die fehlenden Informationen und Fakten geliefert hätte, hätte  er wirklich zu einer beeindruckenden Anklage gegen unmenschliche Unternehmensführung im kirchlichen Bereich werden können. Diese Chance hat er leider verpasst. Schade.

Ulrich Richartz
23.10.2014

 

 

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