Von männlichen Edelarbeitern und ethischem Investment - Tagung zur Altersversorgung

Mit 140 Teilnehmenden fand am vergangenen Donnerstag die restlos ausgebuchte Infotagung der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Bistum Münster (DiAG-MAV) im KönzgenHaus in Haltern statt.

Zunächst erklärte Benedikt Kemper, Rechtssekretär der KAB, den Teilnehmern die aktuell noch vorhandenen Rentenarten. Nur noch vier verschiedene Altersrentenarten kennt das System der Deutschen Rentenversicherung. Die Regelaltersrente mit 65 Jahren, die es künftig erst ab dem 67. Lebensjahr gibt, die Altersrente für langjährig Versicherte, die Altersrente für besonders langjährige Versicherte und die Altersrente für Schwerbehinderte. Für alle Rentenarten zeigte er den interessierten Zuhörern die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen auf. Für die Altersrente für besonders langjährige Versicherte kommen nach Kemper „nur männliche Edelarbeiter“ in Frage, also „die Männer, die 45 Jahre lang stramm durchgearbeitet haben,“ so sein ironischer Kommentar. Für alle anderen Arbeitnehmer und besonders Frauen mit unterbrochenen Erwerbsbiographien bleibt diese Rente unerreichbar. Wichtige und aktuelle Informationen zur Altersteilzeit in den Tarifbereichen AVR (Caritas) und KAVO (Verfasste Kirche) rundeten das Referat ab.

Uwe Hölscher, Referent der Versicherer im Raum der Kirchen, beleuchtete das neue „Betriebsrentenstärkungsgesetz und die Auswirkungen und Möglichkeiten für die Arbeitnehmer.
Das Betriebsrentenstärkungsgesetz verfolgt das Ziel einer besseren Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung. Die Neuregelungen gelten grundsätzlich ab 1. Januar 2018. Die Stärkung der betrieblichen Altersversorgung ist vornehmlich in den Verantwortungsbereich der Tarifvertragsparteien übertragen worden. Daher wird das Gesetz auch als „Sozialpartnermodell“ bezeichnet. Um ein höheres Versorgungsniveau zu erreichen, sollen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände über Tarifverträge gute betriebliche Versorgungssysteme gestalten und damit eine höhere Akzeptanz für die Altersvorsorge bei den Arbeitnehmern schaffen. „Daher,“ so Uwe Hölscher, “gilt dieser Teil des Betriebsrentenstärkungsgesetzes nicht für Kirche und Caritas“. Kirche und Caritas haben aber bereits eine betriebliche Altersversorgung. Das Sozialpartnermodell ist eher für die Betriebe vorgesehen, die noch gar keine Altersversorgung anbieten.

Geltung für kirchliche Arbeitnehmer haben andere Elemente des Gesetzes, „und das bereits seit 2018“, so Hölscher. Die Erhöhung der Förderung der Riester-Rente, die verbesserte steuerliche Förderung der betrieblichen Altersvorsorge sowie der Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung waren nur einige Beispiele. „Die staatlich geförderte Altersversorgung ergänzt die Grundsicherung“, stellte Hölscher fest. Denn die Rente aus der betrieblichen Altersversorgung und der Rieser-Rente werden nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet. Der verpflichtende Arbeitgeber-Zuschuss zur Entgeltumwandlung beträgt bei Kirche und Caritas aufgrund einer Sonderregelung der Zentral-KODA für alle neuen und laufenden Verträge 15% des umgewandelten Entgelts als zusätzlicher Beitrag. „Da sind Arbeitnehmer bei Kirche und Caritas besser gestellt“, so Hölschers Fazit.
Eine lebhafte Diskussion entstand um die Kapitalanlagen der Versicherer im Raum der Kirchen, die nach Hölschers Aussage ethisch alle einwandfrei sind und den Anforderungen der evangelischen und Katholischen Kirche in vollem Umfang nachkommen.  Viele Fragen zur Versteuerung der betrieblichen Alterssicherung standen am Ende von Hölschers Ausführungen.

Ralf Steiger, Referent der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse, erläuterte die aktuellen Herausforderungen der KZVK und die Möglichkeiten der Zusatzversorgung für die Arbeitnehmer bei Kirche und Caritas. „Die KZVK ist die betriebliche Altersversorgung für Mitarbeiter in Kirche und Caritas, mit sechstausend beteiligten Rechtsträgern, über 560.000 Pflichtversicherten und 181.000 Rentnern“, erläuterte Steiger dem interessierten Publikum. Der bisher umstrittene Finanzierungsbeitrag zur KZVK, der wegen der Neugestaltung des Finanzierungssystems erhoben werden musste, wird nach Steigers Einschätzung und vorbehaltlich der Beschlussfassung im nächsten Monat, mit aller Wahrscheinlichkeit sinken. Die bisher geplanten 6,3 % ab Januar 2020 werden daher so wohl nicht kommen. Das wirkt sich positiv auf den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zur KZVK aus. Diese Nachricht wurde von den Teilnehmern interessiert zur Kenntnis genommen.

Die Darstellung der KZVK-Rente im Detail und die Möglichkeiten der freiwilligen Zusatzversicherung bei der KZVK setzten den Schlusspunkt unter ein anspruchsvolles Tagungsprogramm. Fazit der veranstaltenden DiAG-MAV:  Ein Tagungsthema am Puls der Zeit und der Arbeit der MAVen im Bistum Münster.

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